Wie der Etzliberg entstand

Meine Jugend verbrachte ich in einem Stall einer Militaryreiterin, die ihre Pferde bereits damals in der Herde und möglichst viel im Freien hielt. Durch mein Pflegepony Pretty Boy II, lernte ich mein erstes eigenes Pferd Largo kennen.
Eines Tages war Largos Besitzer plötzlich nicht mehr auffindbar. So hatte ich auf einmal ein Pferd zu versorgen und zu finanzieren, das mir gar nicht gehörte – und das für mich eigentlich viel zu schwierig war.
Largo hatte kein einfaches Leben hinter sich und gelernt, seine Kraft auch gegenüber Menschen einzusetzen. Er wusste einfach ganz genau, was er wollte – und vor allem, was er nicht wollte. Ich hingegen war mit diesem besonderen Pferd völlig überfordert.
Trotzdem gab ich nicht auf.
Gemeinsam fanden wir einen Weg, den wir zusammen gehen konnten. Es war weder für Largo noch für mich einfach. Aber wir haben es geschafft.

Im April 1997 tauchte Largos Besitzer plötzlich wieder auf und wollte ihn verkaufen. Die Rechnungen des vergangenen Jahres, die durch Largo entstanden waren, konnte er jedoch nicht bezahlen. So kam es, dass ich mein erstes eigenes Pferd bekam.

Ich konnte Largo in Wollishofen im Muggenbühl bei einem ehemaligen Rennreiter unterbringen. Er machte mir einen fairen Preis, sodass ich Largo dort als Selbstversorger halten konnte. Eine kleine Ganzjahresweide stand uns zur Verfügung – allerdings ohne Pferdegesellschaft. Für mich war klar, dass dies auf Dauer keine Lösung sein konnte. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Alternative.
Und tatsächlich: In der Tierwelt war ein kleiner Stall ausgeschrieben.
Meine Mutter und ich renovierten den Unterstand, vergrösserten den Auslauf und machten alles bereit. Da sich kein Pensionär fand, suchten wir stattdessen einen passenden Pferdekollegen.

So zogen Largo und Amadeus am 5. Oktober 1997 gemeinsam in den ersten Stall Etzliberg, eigentlich Stall in der Rüti ein.

Ein Jahr später wurde der Auslauf erneut vergrössert. Als Sattelkammer diente nun ein Gartenhäuschen, an das ein Unterstand für das Pony Lord angebaut wurde.

Im November 2000 ging dann mein grosser Traum in Erfüllung: Die Scheune, keine 200 Meter vom jetztigen Stall entfernt, wurde mir von der Gemeinde zur Pacht angeboten. Ich kannte sie bereits gut, denn ich durfte dort schon zuvor mein Heu und Stroh lagern. Von der Vertragsunterzeichnung bis zum Einzug der Pferde vergingen gerade einmal fünf Wochen – obwohl noch unglaublich viel Arbeit bevorstand.
Die Scheune ist jahrelang leer gestanden und es lebten auch noch nie Pferde darin. Es musste also alles erst hergestellt, renoviert und saniert werden. Auch der befestigte Auslaufboden wurde komplett erneuert und Zäune mussten errichtet werden.

Im Dezember 2000 zogen dann Largo, Amadeus,  Pony Lord und der neu dazugekommene King in die Scheune in – den heutigen Stall Etzliberg – ein. Mit den Jahren wuchs nicht nur der Stall, sondern auch seine Bewohnerzahl. Jeder Winkel und jeder Raum der Scheune wurde sinnvoll genutzt. Der verwilderte Umschwung wurde gerodet, Böden erneuert und Weiden verbessert. Als letztes entstand der Schnitzelplatz – ein tolles System aus Bodenrasterplatten, die mit Holzschnitzeln aufgefüllt wurden.

Im Jahr 2008 stand die grosse Bodensanierung an. Der alte Kiesboden wurde mit Netstalkies erneuert. Es war eine riesige Arbeit – aber sie hat sich mehr als gelohnt. Wie so oft stand mir meine Mutter auch bei diesem Projekt mit voller Tatkraft zur Seite .

Im Herbst 2010 wurde der Netstalboden nochmals aufgefrischt. Sechs Lastwagenladungen Kies wurden eingebracht, der Schnitzelplatz erneuert und verschiedene Zäune ersetzt.

Auch der alte Lattenzaun zwischen dem Fussballplatz und meiner Weide musste weichen. Bei dieser Sanierung erhielt ich grossartige Unterstützung von allen Menschen aus dem Stall. Sogar Felix, der Platzwart des Fussballclubs, half tatkräftig mit.
Die vier Tage harter Arbeit haben sich gelohnt. Auch Felix freute sich, dass der überwucherte Lattenzaun verschwunden war. Endlich musste niemand mehr Angst haben, sich beim Vorbeifahren mit Brombeerzweigen Kratzer ins Auto zu holen.

So gross unsere Freude über den wunderschönen Stall war – und bis heute ist –, so tief traf uns wenige Wochen später eine traurige Nachricht.

Felix, der mir seit unserem Kennenlernen im Jahr 1997 unzählige Male geholfen und in schwierigen Situationen stets zur Seite gestanden hatte, verstarb viel zu früh.

Ich vermisse dich.

Danke für alles.

Ohne dich wäre der Stall Etzliberg niemals das geworden, was er heute ist.


Wie der Etzliberg entstand und sich veränderte...

Leider gibt es aus den ersten Jahren keine Entstehungsfotos.

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